Esther Strauß
Im Zentrum von Esther Strauß’ Werk steht die künstlerische Auseinandersetzung mit Erinnerung, Verantwortung und der Geschichte des Nationalsozialismus, oft im Spiegel ihrer eigenen Familienbiografie. Bekannt wurde sie unter anderem durch das performative Denkmal „Marie Blum“: 2020 legte Strauß für ein Jahr ihren eigenen Namen ab und trug offiziell den Namen von Marie Blum, einer im KZ Auschwitz-Birkenau ermordeten Neugeborenen – mit allen Konsequenzen im Alltag und in amtlichen Dokumenten. Strauß’ Performances sind meist nicht öffentlich zugänglich und existieren vor allem in reduzierter Nacherzählung weiter. In „Heimsuchung“ nimmt Strauß nach dem Tod ihrer Großmutter deren Frisur an und verbringt eine Nacht und einen Tag in deren leerer Wohnung – zurück bleiben ein Foto und ein knapper Text. Strauß setzt bewusst auf Lücken und Geheimnisse: Was ihre Kunst verbirgt, ist ebenso bedeutend wie das, was sie zeigt.