16 mm (Transfer zu Video), 4:3, Farbe, ohne Ton, 6 min
Courtesy Studio Dorit Margreiter Choy, Charim Galerie, Wien
Der Kurzfilm Silber verbindet in ruhigen, alternierenden Einstellungen zwei Landschaftsräume und macht so die historischen Tiefenschichten der Rohstoffökonomie ebenso sichtbar wie ihre fortwirkenden ökologischen Folgen. Ausgangspunkt ist Felix Mitterers Theaterstück Silberberg, das den Schwazer Silberboom des 16. Jahrhunderts aus der Perspektive der Knappen erzählt und Fragen sozialer Ungleichheit, Gerechtigkeit und Widerstand verhandelt. Während das ehemalige Silberbergwerk von Schwaz für eine frühe Phase des europäischen Kapitalismus steht, verweist der Gletscher Vatnajökull in Südisland auf die ökologischen Konsequenzen einer auf Ausbeutung gegründeten Wirtschaftsweise.
Die Kamera tastet grün-blau durchzogene Felsformationen in Nahansicht ab, in denen sich die mineralischen Spuren des Bergbaus gleichsam eingeschrieben haben. Zugleich erinnert die Arbeit daran, dass Schürfrechte und noch ungehobene Silbervorkommen bereits in der Frühen Neuzeit als Versprechen auf künftigen Ertrag gehandelt wurden – als eine frühe Form ökonomischer Abstraktion, die an gegenwärtige Finanzlogiken denken lässt. Den unterirdischen Felsräumen setzt der Film in ruhigen Schnitten vom Gletscher abgebrochene Eisblöcke entgegen, die sich an einem schwarzen Lavastrand sammeln und vom Meer umspült werden. In dieser Gegenüberstellung verdichtet sich Silber zu einer Reflexion über Extraktion, Wertbildung und Verlust – und damit über die historischen Voraussetzungen jener Gegenwart, in der sich kapitalistische Ressourcennutzung und die Klimakrise untrennbar verschränken.