Paul Floras feine Linien und Kreuzschraffuren, sein Rabe, seine Venedig-Veduten, sein Ideenreichtum, sein feinsinniges Vermögen, menschliche Schwächen oder das Zeitgeschehen wie mit dem Röntgenblick, mal kritisch, spöttisch oder liebevoll zu brachten, all das scheint uns unglaublich vertraut. Er war ein Meister der Anektoten, der die Zwischenreiche unser Empfindungen suchte und dem alles Festgelegte und Determinierte suspekt war.
Paul Flora wurde 1922 in Glurns geboren und übersiedelte sehr früh mit seiner Familie nach Innsbruck. Bereits als Gymnasiast entdeckte er seine Leidenschaft zur Zeichnung, der er zeit seines Lebens treu geblieben ist. Er feierte früh Erfolge und war 1950 sowie 1966 auf der Biennale in Venedig vertreten. 1953 erschien sein erstes Buch „Floras Fauna“ im Diogenes Verlag in Zürich, dem 40 weitere eigene Bücher folgten. Hermann Hesse, Erich Kästner oder Friedrich Dürrenmatt priesen seine Werke. Von 1957 bis 1971 kommentierte Flora zeichnerisch das politische Weltgeschehen für die Wochenzeitung „DIE ZEIT“. Paul Flora war Mitbegründer des Österreichischen Graphikwettbewerbs und engagierte sich stets als kritischer Denker in der lokalen Kulturpolitik.
Begleitend zur Ausstellung erscheint der gleichnamige Katalog mit Beiträgen von Hermann Burger, Karl-Markus Gauss und Magdalena Hörmann-Weingartner (152 Seiten).