In feinen Schraffuren – vorwiegend in Schwarz-Weiß – gestaltet Othmar Eder meist beiläufige Naturmotive, Landschaften oder Alltagssituationen, die auf den ersten Blick wie Fotos wirken. Überlagerungen, Unschärfe, bei gleichzeitig stilistischer Genauigkeit, suggestive und surreale Atmosphären lassen aber Brüche entstehen, die ein gekonntes Spiel mit der Wirklichkeit zeigen.
Neben Bleistift und Farbstiften arbeitet er vielfach mit einer langwierigen Technik der Kohlepapier-Übertragung. Das schwarze Durchschreibe- oder Durchschlagpapier wurde früher für handschriftliche Kopien oder Schreibmaschinen-Durchschläge verwendet. Eder nutzt die weiche, pulvrige Ästhetik der unterschiedlichen Grau- und Schwarztöne des Kohlepapiers, die sich je nach Druck des Stiftes ergeben, und lässt so einerseits den Eindruck einer Kohle-, andererseits jenen einer Bleistiftzeichnung entstehen.
Mit einer Auswahl von Zeichnungen der letzten Jahre präsentiert die RLB Kunstbrücke erstmals in Innsbruck eine größere Werkschau des 1955 in Kufstein geborenen Künstlers, der seit über dreißig Jahren in der Schweiz lebt.
Zur Ausstellung erscheint der gleichnamige Katalog mit einem Textbeitrag von Markus Neuwirth und einem Gespräch mit Othmar Eder, geführt von Silvia Höller (64 Seiten).