Seit Mitte der 1980er Jahre setzt sich Markus Lüpertz intensiv mit mythologischen Themen auseinander – so auch im in der Ausstellung gezeigten Dädalus‑Zyklus. Dädalus gilt als Ahnherr technischen Fortschritts, sein Sohn Ikarus hingegen als Symbolfigur sowohl für die Risiken der Technik als auch für die Sehnsucht, die Grenzen des Möglichen zu überschreiten – ein Motiv, das Künstler von der Antike bis ins Industriezeitalter, darunter Brueghel oder Rubens, nachhaltig fasziniert hat.
In überwiegend verhaltener, erdiger Farbigkeit spielt Lüpertz assoziativ mit diesem Themenfeld, ohne einen eindeutigen erzählerischen Leitfaden vorzugeben. Wiederkehrende Motive wie der männliche Rückenakt, ovale Formen und vor allem die Feder – als zentrales formales und metaphorisches Element – durchziehen den Zyklus. Die Bildsprache pendelt zwischen Abstraktion und Figuration, erreicht teilweise einen Vexierbildcharakter und lädt dazu ein, eigene Deutungen, Träume und Bildassoziationen zu entwickeln.
Der Dädalus‑Zyklus ist im Besitz des Sammlerehepaares Sylvia und Ulrich Ströher und befindet sich als Dauerleihgabe im Kunstmuseum Bonn.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit einem Textbeitrag von Dieter Ronte und einem Interview mit dem Künstler, geführt von Silvia Höller.