Esther Stocker (Schlanders 1974 – lebt in Wien) entwickelt in ihrer Malerei geometrische Strukturen aus dem Gegensatz von Ordnung und Unordnung. Aus der Fläche heraus eröffnet sie Zwischen-Räume, die den komplexen Vorgang unserer visuellen Wahrnehmung reflektieren. „Mein Ausgangspunkt ist die Abweichung, nicht die Regel. Dann lande ich aber schon bei dem Paradox, dass ich für die Beschreibung der Abweichung die Regel brauche. Das reguläre System, die Abfolge, die leicht vorhersehbar ist. Und dann der Ausriss. Eigentlich suche ich nach Abweichungen, die so simpel sind, dass sie unerwartet daherkommen. So naheliegend, dass man gar nicht sofort daran denkt“, so Esther Stocker.
Für Anna-Maria Bogner (Schwaz 1984 – lebt in Wien) hingegen stehen das Ausloten des abstrakten Raumbegriffes und dessen Grenzen im Zentrum. In ihren filigranen Zeichnungen konstruiert sie virtuelle Räume, die sich in ihren Skulpturen und Installationen als dreidimensionale Liniengebilde entfalten. „Raum umfasst weit mehr als seine physischen Grenzen. Er entsteht für mich nicht allein innerhalb der dreidimensionalen „Umwelt“, die uns umgibt. Für mich entsteht Raum in unserer Kommunikation und Interaktion jeden Tag aufs Neue. Meine Arbeiten versuchen Fragen zu stellen. Die Spannung liegt darin, den Raumbegriff nicht festzusetzen, sondern immer neu zu hinterfragen bzw. hinterfragen zu lassen“, so Anna-Maria Bogner.
Dominieren bei Bogner komplexe Linienkonstruktionen, die als geistiges Konzentrat um mögliche Definitionen von Raum kreisen, so steht bei Stocker ein durchdachtes geometrisches Formenspiel, das die Struktur der Disharmonie ergründen will, im Vordergrund. Ein wichtiger Ausgangspunkt für beide Künstlerinnen ist der Akt des Sehens an sich. Unsere Sehgewohnheiten zu verunsichern und damit vorgegebene Denkkategorien zu unterwandern ist ein wesentliches Anliegen beider Künstlerinnen. Durch Abstrahierung setzen sie die Imaginationskraft des Betrachters in Gang und formulieren in ihren Werken ein höchst spannendes Angebot, in Welten zwischen Logik und Unlogik einzutauchen.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit einem Textbeitrag von Silvia Höller und Gesprächen mit Anna-Maria Bogner und Esther Stocker.