Eine Besonderheit des Kunstmuseum Liechtenstein liegt in seiner konsequent inhaltlich ausgerichteten Sammlungspolitik, die bewusst auf formale Auswahlkriterien verzichtet. Gesammelt wird entlang zweier thematischer Linien: rationale Ansätze in der Kunst seit 1900 sowie anthropologische Verfahren. Im Mittelpunkt steht die europäische und amerikanische Kunst seit den 1960er Jahren. Den bedeutendsten Sammlungsschwerpunkt bildet die italienische Arte Povera – das Museum besitzt heute die weltweit umfangreichste Sammlung dieser Künstlergruppe, wie Direktor Friedemann Malsch betont.
Blick
Valérie Belin, Lovis Corinth, Alberto Giacometti, Dan Graham, Matts Leiderstam, Franz von Lenbach, Julian Opie, Meret Oppenheim, Giulio Paolini, Michelangelo Pistoletto, Man Ray
In der Kunst kommt dem Blick im Besonderen in der Porträtdarstellung eine wesentliche Rolle zu. Seit der Antike gelten die Augen als Spiegel und Fenster der Seele. In bestimmten Perioden der Kunst ist die Betonung der Augen besonders dominant wie u. a. in den Bildnissen der frühen Hochkultur Ägyptens, der griechischen Plastik oder der romanischen Wandmalerei. Die weit geöffneten großen Augen stehen für Vitalität. Ihnen kommt eine magische, seherische Kraft zu, die vielfach mit dem Göttlichen einhergeht.
Wort
Roberto Altmann, Arman, Akeji, Alighiero Boetti, Henri Chopin, Jochen Gerz, Isidore Isou, William Kentridge, Ferdinand Kriwet, Carl Spitzweg, André Thomkins
Von einem wechselreichen Verhältnis und einer nahezu unendlichen Geschichte ist die Verbindung von Wort und Bild geprägt. Besonders im 20. Jahrhundert findet sich eine durchdringende Wechselwirkung von Verbalem und Visuellem. Für den Kubismus, Futurismus und Dadaismus werden Buchstaben, Wortfragmente bis hin zu Textcollagen wichtige visuelle Bestandteile mit eigenständigen Qualitäten. Die Sprache wird zum Material in der Kunstproduktion, wie die visuelle Poesie oder der französische Lettrismus in den 1950er und 1960er Jahren zeigen.
Geste
Joseph Beuys, Georg Herold, Gerhard Hoehme, Rebecca Horn, Le Corbusier, Edvard Munch, A.R. Penck, Antoni Tàpies, Otto Zitko
Im Allgemeinverständnis steht die Geste für die Kommunikation mit den Händen, während die Gebärde Körperbewegungen meint. Gebärden begleiten die verbale Verständigung meist unbewusst. Im Gegensatz dazu stehen die bewusst geformten Handzeichen, die sinnbildlich zu verstehen sind und immer im Kontext des Kulturkreises, des historischen und ideologischen Hintergrundes gesehen werden müssen. Ihre Entschlüsselung stellt eine wichtige Voraussetzung beim Lesen eines Kunstwerkes dar.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Textbeiträgen von Silvia Höller, Friedemann Malsch und Hermann Strasser.