Arnulf Rainer ist untrennbar mit der von ihm zur eigenständigen Kunstform entwickelten Übermalung verbunden. Bereits Anfang der 1950er Jahre begann er, eigene und fremde Werke – insbesondere Fotografien – zu überarbeiten.
In der Ausstellung wird eine Auswahl von 46 Arbeiten aus seinem umfangreichen Kristallzyklus (2002–2003) gezeigt, ergänzt durch Ölbilder aus der Reihe Mikrokosmos-Makrokosmos (1994–1996). Ausgangspunkt sind mikroskopische Schichtenaufnahmen von Mineralien und organischen Strukturen, mit denen sich Rainer seit den 1990er Jahren intensiv auseinandersetzt. Seine langjährige Faszination für naturkundliche Bildwelten – von illustrierten botanischen und zoologischen Büchern bis hin zu Fossilien – führte ihn Schritt für Schritt in die Mikrowelten des Organischen und Anorganischen, deren „Baupläne des Lebens“ er künstlerisch in diese Werkgruppen übersetzte.
Die Arbeiten schärfen den Blick für eine neue sichtbare Welt, wie sie moderne mikroskopische Verfahren erst ermöglichen. Zum einen dienen diese technischen Bilder als Ausgangspunkt für farbintensive Mikrolandschaften, zum anderen überarbeitet Rainer Laserkopien mikroskopischer Strukturen wie kartierte Territorien, deren Linien und Knotenpunkte er durch malerische Setzungen betont und neu interpretiert.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Textbeiträgen von Arnulf Rainer, Peter Weiermair und einem Interview mit dem Künstler, geführt von Silvia Höller.