Die Dolomitenfront im Ersten Weltkrieg steht, 100 Jahre nach Ausbruch der erbitterten Kämpfe zwischen Italien und Österreich-Ungarn, im Zentrum zahlreicher Projekte und Veranstaltungen. Wer die Landschaft zu „lesen“ vermag, erkennt auch heute noch ihre Spuren.
Diesen Spuren am Karnischen Kamm in Osttirol folgt Annelies Senfter in ihrem Projekt Narben: In den Sommermonaten 2013 und 2014 erwandert sie mit der Kamera die Gegend um die ehemalige Frontlinie entlang des Karnischen Höhenweges. Als Inspirationsquelle dient ihr der Roman Tobys Zimmer der britischen Autorin Pat Barker, der sich mit den Nachwirkungen des Krieges beschäftigt, ebenso wie Erinnerungsberichte von Frontsoldaten aus Osttirol, die sie in Form ausgewählter Zitate in die Ausstellung einbindet.
In einer künstlerischen Annäherung lenken Senfters scheinbar beiläufige Landschaftsaufnahmen unseren Blick auf subtile Überreste von Stellungsbauten, Schützengräben und Granatenexplosionen, die sich nur bei genauem Hinsehen vom natürlichen Profil der Landschaft unterscheiden.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Beiträgen von Isabelle Brandauer und Luise Reitstätter sowie einem Interview mit Annelies Senfter.