Die Dolomitenfront im Ersten Weltkrieg steht heuer, 100 Jahre nach Ausbruch dieser erbitterten Kämpfe zwischen Italien und Österreich-Ungarn, im Zentrum zahlreicher Projekte und Veranstaltungen. Nie zuvor oder danach standen sich zwei Armeen in einem derart langwierigen Stellungskrieg im Gebirge gegenüber wie in den Jahren 1915 bis 1918.
Wer die Landschaft zu „lesen“ vermag, erkennt auch heute noch die Spuren dieses Krieges. Diesen Spuren am Karnischen Kamm in Osttirol folgt Annelies Senfter in ihrem Projekt Narben. In den Sommermonaten 2013 und 2014 erwandert sie mit ihrer Fotokamera die Gegend um die ehemalige Frontlinie entlang des Karnischen Höhenweges. Als Inspirationsquelle dient ihr der Roman Tobys Zimmer der britischen Autorin Pat Barker, der sich mit den Nachwirkungen dieser Kriegsereignisse beschäftigt.
Im Zuge ihrer Recherchen stößt die Künstlerin auf Erinnerungsberichte von Frontsoldaten aus Osttirol, die sie im Form von sorgfältig ausgewählten Zitaten in die Ausstellung einbindet.
Annelies Senfter nähert sich dem Thema in Form einer künstlerischen Auseinandersetzung. Ihre scheinbar beiläufigen Landschaftsaufnahmen fordern uns auf, unseren Blick zu fokussieren, genauer hinzusehen, um die subtilen Überreste von ehemaligen Stellungsbauten, Schützengräben oder Granatenexplosionen vom natürlichen Profil zu unterscheiden.
Zur Ausstellung erscheint der gleichnamige Katalog mit Textbeiträgen von Isabelle Brandauer und Luise Reitstätter, sowie einem Interview mit Annelies Senfter, geführt von Silvia Höller (64 Seiten).