Im Zentrum der Ausstellung steht der Stoff – nicht bloß als Material, sondern als lebendiger Protagonist. Er begegnet uns in einer raumfüllenden Installation, in Risografien oder kunstvoll vernäht in Malereien. Kaum ein anderes Medium ist uns so nah: Stoff wärmt, schützt, schmückt – und erzählt Geschichten.
Schon beim Betreten empfängt uns eine farbenreiche, bühnenartige Stoffinstallation. Die Stoffe stammen alle aus dem ehemaligen Schneiderzimmer ihrer Tante in Osttirol. Es sind vor allem jene Stoffe, an die sie sich noch erinnert, die sie sich als Kind ausgesucht hat, und die sie jetzt zu einem bunten Erinnerungsraum arranigiert.
Vor diesem Hintergrund schweben auf Stoff gedruckte Fotografien von Personen in skurril anmutenden, schwimmähnlichen Posen. Schneider interessiert weniger die einzelne Persönlichkeit als vielmehr Körperlichkeit an sich – Haltung, Gestik, Form. In der Analogie zum Wasser gewinnt der Körper eine zusätzliche, poetische Dimension: Stoff legt sich an wie eine zweite Haut, die zugleich verhüllt und enthüllt.
Assoziationen zum Freibad ziehen sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung: ein Ort, den viele mit Sommer, Freizeit und einem bestimmten Lebensgefühl verbinden. Hier begegnen sich Wasser, Körper und Stoff unmittelbar. Ein Raum, in dem individuelle Grenzen verfließen und sich die Menge der Körper in knappen Textilien zu einer scheinbaren klassenlosen Gemeinschaft verdichtet.
Neben Installation und Malerei präsentiert Schneider eine Reihe an Risografien – ein zwischen Siebdruck und Fotokopie angesiedeltes Druckverfahren, das mit leuchtenden Farben und kleinen Unregelmäßigkeiten jedes Blatt zum Unikat macht.
Zur Ausstellung erscheint ein 64-seitiger, gleichnamiger Katalog mit einem Beitrag von Janine Zumtobel sowie einem Interview mit Alena Schneider, geführt von Silvia Höller.
Dialogführung mit Evelin Gander: Mittwoch, 12. November 2025, 18.00 Uhr. Eine Kooperation mit dem Bildungshaus Osttirol.