Mit acht positionen zeigt die RLB Kunstbrücke die letzte Ausstellung der Reihe positionen, die seit 2003 – im Wechsel mit dem RLB Kunstpreis – der jüngeren zeitgenössischen Kunstproduktion in Tirol gewidmet ist.
Wolfgang Wirth arbeitet mit Öl auf Leinwand und greift auf vorhandenes Bildmaterial wie Postkarten, Fotografien und Internetmotive zurück. Ausgangspunkt ist der Akt des Sehens selbst: Er wählt Bilder, die unserem kollektiven Bildgedächtnis entstammen und gängige Stereotypen unserer Vorstellung bedienen.
Auch Heidrun Sandbichler befragt die von den Medien geprägte kollektive Wahrnehmung. In ihrer Arbeit Skriptorium, die auf die Kopistentätigkeit mittelalterlicher Schreibstuben anspielt, sehen wir eine in einem Theatersessel eingesunkene Frau – ein Bild, das aus der Berichterstattung über die Geiselnahme tschetschenischer Terroristen in einem Moskauer Theater 2002 vertraut ist.
Robert Pan, der wie Anna Mitterer und Wolfgang Wirth erstmals in Innsbruck ausstellt, richtet den Fokus auf Materialität. Seine Arbeiten versteht er nicht als Tafelbilder, sondern als Objekte in nur scheinbarer Bildform. Sie entstehen aus beinahe alchemistischen Experimenten mit Pigmenten, pulverisierten Metallen und Säuren auf Epoxidharz, deren Reaktionen in einem Spannungsfeld von Zufall und Ordnung abstrakte Formstrukturen erzeugen.
Im materiellen Zugriff vergleichbar, im Ergebnis jedoch deutlich anders, zeigen sich die skulpturalen Arbeiten von Peter Senoner. Im Zentrum stehen androgyne, transethnische Figuren, die von Holzskulpturen über Aluminiumgüsse bis zu Bronzegüssen mit weißem Kryolithglas reichen – „Migranten aus einer anderen Galaxie“, wie Senoner sie selbst nennt, die als glänzende Heroen technischer Perfektion erscheinen.
Einen Gegenpol dazu bilden die Silikonfiguren von Fatima Bornemissza. Nicht die Sehnsucht, Grenzen zu überwinden, sondern die Brüche des Menschlichen stehen im Mittelpunkt. Ihre Arbeiten kreisen um Körperlichkeit und Verletzung und bleiben dabei der Realität des Alltags nahe.
Anna Mitterer nähert sich über Video und ein feines Netz intellektueller Referenzen – von Marcel Proust bis Walter Benjamin – den Themen Erinnerung und Vergangenheit. Ihre Arbeiten reagieren mit stillen Gegenbildern auf die Schnelligkeit und Oberflächlichkeit der Medienwelt und rufen eine verlorene visuelle Poesie auf. Während bei Mitterer der filmische Charakter dominiert, basieren die Videoarbeiten von Bernd Oppl vorwiegend auf Programmiersystemen. In Für Ihre Sicherheit dienen ihm die „safety on board“-Karten aus dem Flugzeug als Ausgangspunkt: Die Piktogramme, die Orientierung im Notfall geben sollen, verselbstständigen sich, geraten außer Kontrolle und unterlaufen ironisch die Vorstellung beherrschbarer Katastrophen.
In eine scheinbar geordnete Realität führt auch Siggi Hofer mit seinen großformatigen Tusche- und Aquarellzeichnungen. Er entwirft utopische Stadtarchitekturen, in minutiöser Kleinteiligkeit zerlegt, die nur vordergründig einem Prinzip der Ordnung folgen. Hinter der trügerischen Idylle verhandelt er Fragen nach Realität und Fiktion und problematisiert unsere Zuordnung von Abbild und Vorstellung
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Interviews der teilnehmenden Künstler:innen, geführt von Silvia Höller.